Ich bin ja bereits mehrfach längere Etappen gewandert, beispielsweise von Zürich bis Lugano. Diese Reise nun ist bedeutend kürzer, dennoch geht sie sogar über die Schweiz hinaus nach Konstanz am Bodensee. Wiederum starte ich von mir zu Hause in Zürich und mache alles zu Fuss.
Tag 1: Zürich bis Winterthur
Diese Strecke ging ich bereits einmal während der Pandemie. Doch wählte ich dieses Mal eine Route weiter südlich und temperaturbedingt auch durch möglichst viele Wälder.
In den Sommerferien während einer Hitzeperiode und noch an einem Montagmorgen war Zürich ziemlich leer. Kein Vergleich zu der wirklich leeren Stadt während der Pandemie, doch am Sonntag waren definitiv mehr Leute in der Limmat als dieser eine Herr hier (und nein, ich ging sicher nicht in Limmat schwimmen).

Zuerst ging es quer durch Zürich und dann durch den ersten Zürichberg-Wald bis Stettbach. Stettbach ist nicht nur eine S-Bahn-Station sondern ein Dorf das auch 2026 noch sehr ländlich wirkt.

Stettbach/Dübendorf ist voll im Wandel: Direkt um den Bahnhof kann es kaum urbaner sein, mit Hochhäusern, hippen Cafes und Coworking-Places. Doch unmittelbar daneben stehen noch alte Lagerhäuser, Gemüsebauern und Landwirtschaftsbetriebe.

Ganz gelungen fand ich die Renaturierung des Chriesbachs, der nun nicht nur üppige Ufervegetation hat, sondern auch Wohnhäuser am Rand, die so richtig nach meinem Geschmack sind!

Weiter ging es nach Wangen bei Dübendorf, ein sehr ländlicher Ort mit einer äusserst anhänglichen Katze während meiner Mittagspause.

Nach Effretikon, Kempthal und dem Rossberg kam ich schlussendlich in Winterthur Töss an.
Tag 2: Winterthur bis Frauenfeld
Der Wetterbericht hatte Recht: Ich startete in Winterthur tatsächlich bei leichtem Nieselregen. Der war aber derart schwach, dass er nur etwas Wolken und höhere Luftfeuchtigkeit brachte. Ich verliess Winterthur im Norden über die Walcheweiher.

Weiter ging es durch den Wald, vorbei an vielen eher trockenen Tümpeln, einem Reh und einer weiteren Katze. Auf der anderen Seite verliess ich den Wald bei Zinzikon. Obwohl nahe beim Technorama und mit Winterthur zusammengewachsen, war der Anblick doch sehr ländlich.

Für mich überraschend war nun Wiesendangen gar nicht mehr weit weg. Zuerst aber noch Getränke auffüllen und ein paar Guetzli kaufen. Der Weg am Segelflugplatz vorbei war von der Aussicht her schön, aber für einen Sommertag doch ziemlich sonnenexponiert. Ich war dann froh, in Wiesendangens Dorfstrasse unter Bäumen dem Wiesenbach entlang zu flanieren. Hier lernte ich auch, dass sie sieben Dorfbrunnen über und am Bach haben.

Im Volg kurz Mittagslunch gekauft, diesen unter den Rebhängen verspeist und dann ging es nach Bertschikon, das immer noch zur Gemeinde Wiesendangen gehört. In der Sagi gönnte ich mir neben etwas Kindheitserinnerungen auch ein gutes (dunkles!) alkoholfreies Bier und einen Espresso. Bertschikon selbst ist winzig und sieht zeitlos aus.

Ab jetzt wurde es noch ländlicher, mit bereits geernteten Weizen- und noch wachsenden Maisfeldern, nur unterbrochen durch Wälder und kleine Dörfer. Etwas grösser in Erinnerung blieb mir nur Gachnang, bevor ich den Hang hinunter und der Murg entlang nach Frauenfeld gelangte.
Tag 3: Frauenfeld bis Weinfelden
Meine dritte Etappe hat sich als sehr ländlich und bevölkerungsarm entpuppt – etwas überrraschend, da sowohl Frauenfeld als auch Weinfelden grössere Orte sind.
Ich ging in Frauenfeld Richtung Osten durch das Mülitöbeli den Hang hinauf, bis ich nur noch Weiler, Felder und viel Aussicht hatte.

Weizen- und Maisfelder wurden etwas rarer, dafür fand ich mehr Kartoffeläcker (mit und ohne Käfer) und grosse Sonnenblumenfelder. Und natürlich immer wieder Thurgauer Apfelbäume.

Bis zum Mittag war ich meist in Wäldern, in denen es dank des Gewitters letzte Nacht richtig feucht war. Danach kamen mehr Wiesen und es wurde heisser. Einer Katze begegnete ich heute nicht, dafür einem Fuchs – der rannte aber davon und liess sich nicht streicheln…

Die meisten der vereinzelten Weiler die ich durchwanderte waren winzig und isoliert, und das änderte sich auch nur wenig, als ich an die Thur gelangte. Hier war es zwischendurch so heiss, dass ich meinen Regenschirm als Sonnenschirm verwenden musste. Deshalb zweifelte ich auch etwas an mir selbst, als ich plötzlich ein Zebra und Elefanten entdeckte! Doch gehörten sie zum Winterlager des Zirkus Stey.

Nun ging es wieder rascher im Schatten des Waldrands entlang, über die Thur und dann noch etwas rascheren Schrittes auf Weinfelden zu – am Horizont zeichnete sich ein Gewitter ab. Dieses kam dann allerdings erst Stunden später als ich die Tagesempfehlung (Kalbsschnitzel mit Preiselbeeren) im Restaurant schon verspeist hatte.
Tag 4: Weinfelden bis Kreuzlingen
Weinfelden gab mir einen etwas merkwürdigen Eindruck: Der Ort hat viele historische Häuser und ein grosses Zentrum mit cleverer Ladenpassage, einer grossen Migros und sehr vielen kleinen Läden. Zudem bemerkte ich eine beeindruckende Auswahl an guten Restaurants. Aber ich hoffe, dass es an der Sommerferienzeit liegt, dass ich so wenige Menschen gesehen habe!

Ich ging nordwärts durch Weinfelden und dann steil den Hang nach oben, am Schloss Weinfelden vorbei, das aber leider Privatbesitz ist. Meine heutige Tour führte mich hauptsächlich durch Wälder, wo das Gewitter von gestern Spuren hinterliess: Ich musste immer wieder mal Ästen ausweichen und über umgestürzte Bäume kraxeln. Auf der Karte waren viele Burgen und Schlösser eingetragen, doch einige sind schon seit langer Zeit unbewohnt wie die Ruine Schleifenrain.

Die Wälder waren stets enorm grün, üppig und vielfältig. Da hat sich im Schweizer Wald seit den Fichten-Monokulturen vieles verbessert!

Da ich erst um 16:00 ins Hotel konnte, machte ich eine Schwenker über Tägerwilen nach Gottlieben. Tägerwilen hat einen schönen Dorfteil am Bach entlang, aber momentan eine furchtbar komplizierte Baustelle im Zentrum. Gottlieben ist nicht nur Heimat der Hüppen, sondern auch ein lauschiger und sehr touristischer Ort am Rhein.

Ich ging dem Rhein entlang und dann wieder den Hang hinauf quer durch Kreuzlingen, weil mein Hotel oben am Hügel und nicht unten am See liegt. Kreuzlingen hat durchaus neue Häuser und interessante Gegenden, doch ein grosser Teil des Ortes besteht aus breiten Strassen mit sehr langweiligen und alten Flachdach-Wohnblöcken.
Da ich kurzfristig buchte, war ausnahmsweise das sehr grosse Zimmer 1 im Schloss Brunnegg frei und erst noch günstig!

Nun ist meine Reise abgeschlossen. Zusätzlich zu meiner Wegroute machte ich auch Abstecher zu Sehenswürdigkeiten und Läden sowie Wege zu Restaurants. Meine App lieferte somit folgende Werte pro Tag:
| Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 |
| 33.9 km | 23.4 km | 26.3 km | 30.7 km |
Das ergibt als Summe 114.3 km und entspricht 150’964 Schritten.
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